Jennifer Baumeister

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Videoausschnitt (mpeg1_ntsc)

 

Death Row Visit

Die meisten  Industrienationen  haben die Todesstrafe abgeschafft.  Trotzdem werden fast jeden Tag in irgendeinem Land dieser Erde Menschen zum Tode verurteilt und Hinrichtungen vollstreckt. Die Staaten, welche die Todesstrafe noch vollstrecken, berichten nur wenig darüber.

Es gibt  in den USA in noch mindestens  37 Staaten Death Rows - Todestrakte, in denen momen-tan ca. 3370 Menschen nicht selten ohne vorher einen fairen Prozess gehabt zu haben.

In einem Raum stehen ein Fernseher und ein Telefon.
Auf dem Fernseher ist ein Videoloop zu sehen (Videolänge insgesamt 1:28:56).


In der medienüberfluteten Welt - in der Zeit des Reality TVs - sieht man die Gesichter vieler Unbekannter. Man sieht sie kurz und vergisst sie wieder. Man nimmt sie nicht als Menschen wahr. Sie sind abstrakt. Sie sind in einer anderen Welt.
Eine Flut von Bildern der Insassen sieht auch der Betrachter. Anders als zuhause wird er jedoch direkt angesprochen: Das Telefon klingelt vor seiner Nase und ein Mensch wartet im Inneren (Fernseher) auf Antwort. Es hört auf zu klingeln und er sieht zu wie eine weitere Person hingerichtet wir.

Das Telefon und der Fernseher bezeichnen zwei verschiedene Räume/ Welten.
Das Telefon ist außerhalb. In unserer Welt. Es ist der Kontakt zur Außenwelt. Sowohl zum privaten Besuch, als auch zur Befehlsgewalt.
Und der Fernseher ist die Innenwelt das Sichtmedium in die Death Row. Er ist der Besucherraum und der Hinrichtungsraum.

Das Video:
1. Man sieht eine schnelle Abfolge von Death Row Insassen.
2. Das Bild eines Gefangenen bleibt stehen.
3. Das Telefon in der Außenwelt klingelt - und man hört das Auflegen.
4. Der Gefangene verfärbt sich rot, gelb und grün und zerschmilzt.
5. Man sieht wieder eine schnelle Abfolge von Death Row Insassen.
6. Das Bild eines anderen Gefangenen bleibt stehen.
7. u.s.w.

Der schnelle Ablauf und die scheinbar wahllose Selektion zeigen dem Betrachter eine Vielzahl der Gesichter. Das es Gesichter sind und keine Zahlen wird klar wenn das Bild stoppt und der Betrachter eine einzelne Person betrachten kann.
Oft ist es Glück oder Unglück, ob man in der Todeszelle landet. So wird in dem Video wie in der Lotterie eine Person herausgenommen.
Nun muß der Gefangene warten. Der Ruf geht in die Außenwelt. Nicht weit weg von uns.
Die Farben sind in Anlehnung an Fred A. Leuchters Injektionsmaschinen-Gebrauchsanweisung:
§ Rot > Bereitschaft
§ Gelb > Injektionsvorgang läuft
§ Grün > Injektionsvorgang abgeschlossen - Hinrichtung erfolgreich vollzogen

Der Mensch löst sich auf. Wie bei einem Videospiel. Unwirklich. Als wäre er nicht real.
Und doch handelt es sich um wahre Insassen der Death Rows.


Safehouse Arts Space Gallery, Belfast:

           

 

K-Salon, Berlin:

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